Fotoausstellung
LEBEN IM KRIEG: EINZIGARTIGE FOTOS AUS DER UKRAINE
Der Fotojournalist Eddy van Wessel legt seit 2022 das tägliche Leben in der vom Krieg zerstörten Ukraine fest. So auch in der Stadt Bachmut, womit er bereits den niederländischen Fotowettbewerb „Zilveren Camera“ gewann. Am Dienstag, den 9. Dezember wurde bekannt, dass seine Arbeit erneut große Anerkennung gefunden hat: Sein Buch Ukraine wurde von der niederländischen Tageszeitung „de Volkskrant“ in die Liste Beste niederländische Fotobücher des Jahres 2025 aufgenommen.
In Ukraine dokumentiert Van Wessel mit (analoger) Fotografie einen eindringlichen Bericht über den schon vier Jahre andauernden Krieg. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen die Menschen, die unter den direkten Folgen des Konflikts leiden: Soldaten an der Front, Zivilisten in Schutzräumen und Familien auf der Flucht. Seine Bilder zeigen nicht nur die physische Zerstörung, sondern auch die psychologischen und emotionalen Folgen lang anhaltender Gewalt.
Durch die Linse des niederländischen Fotografen Eddy van Wessel erhält man als Betrachter einen Einblick in den aus den Fugen geratenen Alltag der Ukrainer. Seine Fotos zeigen die bizarre Kriegsrealität in kontrastreichem Schwarz-Weiß. Jemand wärmt sich auf dem Motor seines Wagens einen Teller Suppe auf. Zerschossene Gebäude wirken wie verkrüppelte Kunst. Spielende Teenager, die in einem Kriegssommer von einer Brücke voller Minen springen.
In jedem Bild von War Stories: Ukraine up close steckt die erzählerische Kraft des Mediums Fotografie. Dabei sind spürbares Leid, Ästhetik und menschliche Widerstandskraft eindrucksvoll vereint.
Jedes Foto bohrt sich wie ein Nagel in deine Seele und dringt bei jedem weiteren Foto noch tiefer ein. Van Wessel lichtet die Kriegsopfer sehr respektvoll und diskret ab. Jedes Foto ist gut, relevant, komplett und erzählt eine neue Geschichte. Dieser Fotograf versteht sein Fach. Jury der Silbernen Kamera
Seit Oktober 2024 sind Van Wessels Fotos in der Ausstellung War Stories im Nationalen Militärmuseum (NMM) in Soesterberg zu sehen. Nach der Eröffnung dieser Ausstellung kehrte der Fotograf mehrmals in die Ukraine zurück. In diesem Winter aktualisiert das NMM daher die Ausstellung mit neuem Foto- und Videomaterial von seiner letzten Reise.
Während seiner letzten Reise hielt Van Wessel zum ersten Mal selbst mit Videobildern fest, wie er als Fotojournalist im Kriegsgebiet arbeitet. Die Kamera lief während gefährlicher und auch bewegender Momente. Besonders bemerkenswert ist, dass er neben seiner vertrauten analogen Kamera auch eine großformatige Holzkamera mit Glasplatten mitnahm – ein Gerät aus dem Ersten Weltkrieg (1914–1918), hergestellt in Charkiw, Ukraine.
Durch den Krieg getrennt: intime Videoporträts
Neben den über 60, sorgfältig ausgewählten Fotos und den dazugehörigen Exponaten gibt es bei War Stories. Ukraine up close vier kleine Filmsäle. Die ukrainische Filmemacherin Lesya Kharchenko und der niederländische Filmemacher Thomas Roebers haben für diese Ausstellung jeweils zwei Filme gedreht.
Männer kämpfen, Frauen und Kinder flüchten. Freunde werden auseinandergerissen, von der russischen Armee gefangen genommen. Der Krieg zwingt normale Bürger dazu, getrennt zu leben. In den vier intimen Videoporträts von Kharchenko und Roebers erzählen mehrere Ukrainer offen und ehrlich, wie sie das erlebt haben.
Im Mittelpunkt steht jeweils ein Soldat – ein „Hero“ oder Held, wie die Ukrainer selbst sagen, oder jemand, der von den Russen gefangen genommen wurde und die Gefangenschaft überlebt hat. Das Besondere an den Porträts ist die Tatsache, dass sie mit dem Material montiert wurden, das der eine Filmemacher für die andere gefilmt hat – und umgekehrt.
Unser Dank geht an Maryna Bohdanova, Oleksandr Tulinov und Valentyn Bohdanov, deren Musik wir in den Filmen verwenden durften.
Form, Licht und Emotion – Audio mit der Geschichte, die hinter jedem Foto steckt
Jedes Foto erzählt eine Geschichte von normalen Menschen, die im Krieg an der europäischen Außengrenze (über)leben, und von der vom Kampf geprägten Landschaft. Doch jedes Foto ist auch eine Momentaufnahme. Vor und nach der verewigten Szene und jenseits des Bildausschnitts steckt noch eine Geschichte. Die von Eddy van Wessel persönlich aufgenommene Audiotour zur Ausstellung verrät mehr darüber: Was passierte vor der Aufnahme? Was geschah danach? Und warum entschied er sich für Schwarz-Weiß oder eine bestimmte Komposition?
Die Audiotour von War Stories. Ukraine Up Close lässt sich einfach mit dem eigenen Smartphone nutzen. Sie ist über QR-Codes abrufbar. Tipp: Eigene Kopf- oder Ohrhörer mitnehmen! So wird es noch persönlicher und eindringlicher.
Dokumentarfilm: War Stories Ukraine
In seinem kurzen Dokumentarfilm War Stories Ukraine erzählt Van Wessel, wie die Fotos, die er mit dieser antiken Kamera gemacht hat, zeigen, dass sich in mehr als hundert Jahren wenig geändert hat: Menschen führen weiterhin Krieg. Der Dokumentarfilm und einige dieser Glasplatten sind in Kürze in der Ausstellung zu sehen.
Im kommenden Jahr werden verschiedene Bilder in War Stories dank der Hinzufügung einer digitalen Fotopräsentation regelmäßig aktualisiert. Darin sind jeweils Van Wessels neueste Bilder zu sehen, darunter auch die Fotos, die er während seiner zukünftigen Reisen in die Ukraine machen wird. Die Bilder werden von einer projektierten Karte unterstützt. Darauf können die Besucherinnen und Besucher sehen, wo das Foto aufgenommen wurde.
Krieg durch die Linse des Silberne Kamera-Preisträgers Eddy van Wessel
Die Niederländer Eddy van Wessel (1965) arbeitet als selbstständiger Fotograf und hat viel Erfahrung in Katastrophen- und Konfliktgebieten wie Tschetschenien, Syrien, dem Irak und der Ukraine. Seine Fotos werden weltweit in Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht.
In seiner Laufbahn wurde er als einziger in seiner Branche vier Mal mit der Silbernen Kamera, dem renommierten Preis für den niederländischen Fotojournalismus, ausgezeichnet. 2022 gewann Van Wessel die Silberne Kamera mit seinen markanten Schwarz-Weiß-Fotos vom Krieg in der ukrainischen Stadt Bachmut. Eine Auswahl seiner Fotos aus Bachmut ist in der Ausstellung War Stories. Ukraine up close zu sehen.
Privat ist der Fotograf Eddy van Wessel Vater von Zwillingen. Seine Reportage anlässlich der Beerdigung der 14-järigen Zwillingsschwestern Yuliya und Anna – die beim Bombenangriff auf eine Pizzeria ums Leben kamen – hat ihn deshalb auch besonders getroffen. Van Wessel: „Dabei würde man normalerweise sagen: Ich muss objektiv sein. Aber ich denke, dass man da dann doch vor allem als Mensch steht, als Mensch mit einer Kamera. Und dass man gerade deshalb versuchen muss, die Intensität des Moments und die heftige Trauer einzufangen.“ Auch diese Fotos sind Teil der Ausstellung.
Ich hoffe, dass die Leute denken… Was zum Teufel geht da ab? Und dass sie letztlich begreifen, was Krieg mit jemandem anstellt. Wenn das eintritt, wäre ich schon sehr froh. Fotograf Eddy van Wessel, viermaliger Preisträger der Silbernen Kamera. Bildnachweis: Hans de Kort.
Diese Ausstellung enthält verstörende Bilder. Wenn Sie das Bedürfnis haben, darüber zu sprechen, können Sie sich jederzeit an einen unserer Mitarbeiter wenden. Sie sind für Sie da.
Diese Ausstellung wurde u. a. mit freundlicher Unterstützung folgender Partner realisiert: Vfonds, Mondriaan Fonds, VSBfonds, het Cultuurfonds, en K.F. Hein Fonds